Ersatzneubau der Großtalbrücken Tiefenbachtal und Pfädchensgraben

Im Zuge des 6-streifigen Ausbaus der BAB 61, zwischen Anschlussstelle Rheinböllen und der Tank- und Rastanlage Hunsrück, erfolgt der Ersatzneubau der Talbrücken Tiefenbachtal und Pfädchensgraben. Der hierfür notwendige Rückbau der Bestandsbauwerke erfolgt unter Anwendung eines innovativen und zugleich umweltschonenden Rückbaukonzeptes. Durch den Ausschluss von Sprengungen bzw. eines konventionellen Rückbaus werden die Eingriffe in die schützenswerten Täler minimiert. Inspiriert vom Montagekonzept der Bestandsbauwerke basiert das Rückbaukonzept auf einem quer und längs verfahrbaren Demontagegerät (DMG) und erfolgt gänzlich von oben. Nahezu das gesamte DMG wird dabei aus Systembauteilen alter D-Brücken zusammengebaut.

Der Bestandsbrückenquerschnitt setzt sich aus sechs vorgespannten Fertigteilträgern und einer vorgespannten Ortbeton-Fahrbahnplatte zusammen. Die 7- und 10-feldrigen Bauwerke wurden als Einfeldträgerketten hergestellt. Die Brücken besitzen Gesamtlängen von 531 m und 367 m. Die Einzelspannweiten betragen je 53 m. Die lichten Höhen betragen bis zu 105 m.

Mit dem DMG werden die Fertigteil-Längsträger der Bestandsbrücken feldweise rückgebaut. Hierfür wird zunächst der Ortbeton im Bereich der Mittelkappe über die gesamte Brückenlänge rückgebaut. Durch diese Lücke erfolgt der Abtransport der Fertigteilträger bis zum Widerlager. Im Anschluss werden die Ortbetonbereiche der Fahrbahnplatte feldweise rückgebaut.
Die nun freiliegenden Fertigteillängsträger werden vom querverfahrbaren DMG in mittlere Position (ehemalige Mittelkappe) verfahren. Über Laufkatzen am Obergurt des Abbruchgerätes werden die Fertigteillängsträger ein Stück weit ins Nachbarfeld verfahren und dort von einem schienengebundenen Gleiswagen übernommen. Dieser transportiert die Bauteile über die Bauwerkslänge zum zweiten Widerlager.
Nachdem das erste Endfeld vollständig rückgebaut wurde, wird die Konstruktion des Fachwerkträgers um einen 35 m langen Nachlaufschnabel stückweise ergänzt. Mithilfe dieses Nachlaufschnabels wird ein Längsverschub des gesamten Abbruchgerätes ins nächste rückzubauende Feld ermöglicht.

Die zum Einsatz kommenden Systembauteile der D-Brücken wurden ursprünglich 1959/60 von den Firmen Krupp und MAN gemeinschaftlich entwickelt. Die Konstruktion wurde im Laufe der Jahre stetig weiterentwickelt und kann aufgrund ihrer modularen Konstruktion in unterschiedlichen Konfigurationen als Fachwerkbrücke eingesetzt werden.
Das DMG setzt sich aus zwei Fachwerkebenen und eingekürzten Querträgern und einem Windverband zusammen. Die Knoten des Fachwerks werden gemäß der Systemstatik der D-Brücken ausgeführt und ausschließlich über Sonderschrauben verbunden. Die gesamte Konstruktion ist nach dem Einsatz wieder zerleg- und wiederverwendbar.

Eine große Herausforderung an die Planung und Prüfung der Konstruktion stellen die zahlreichen zu berücksichtigenden Bauzustände sowie die nötige Verfahrbarkeit des gesamten DMGs dar. Weiter ergeben sich aus der komplexen Baulogistik und der Maßgabe der Wiederverwendbarkeit nahezu aller Bauteile anspruchsvolle Randbedingungen.

Bis Ende April 2026 wurde das Feld 1 der Tiefenbachtalbrücke vollständig rückgebaut. Der erste Längsverschub fand im Juni 2026 statt. Unsere Prüfleistungen werden wir voraussichtlich Ende dieses Jahres abschließen können.

Weiterführende und ergänzende Texte finden Sie hier:

https://www.autobahn.de/planen-bauen/projekt/a-61-erneuerung-der-grosstalbruecken-pfaedchensgraben-und-tiefenbach-mit-6-streifigem-ausbau-zwischen-der-anschlussstelle-rheinboellen-und-der-tank-und-rastanlage-hunsrueck

https://seh-engineering.de/detail/einsatz-an-der-a61-abbruch-der-talbruecken-pfaedchensgraben-und-tiefenbach+

Der Autobahn GmbH des Bundes, Maurice Kaluscha, danken wir für die Zurverfügungstellung der eindrücklichen Fotoaufnahmen.


• Auftraggeber: SEH Engineering GmbH
• Bauherr: Die Autobahn GmbH des Bundes
• Leistungen: statisch-konstruktive Prüfung des DMG und aller zugehörigen Demontagekonstruktionen
• Leistungszeitraum: 09/2024 bis vorauss. Ende 2026